Viele Tierhalter:innen stehen irgendwann vor der Frage, ob ein ungewöhnliches Verhalten des Tieres bis zum nächsten Sprechstundentermin warten kann oder sofort tierärztliche Hilfe braucht. Eine einfache Antwort gibt es selten, denn Hunde und Katzen zeigen Schmerzen anders als Menschen und verbergen Schwäche instinktiv, so lange es geht. Wer die wichtigsten Warnsignale kennt, kann im Ernstfall schneller richtig reagieren.
In der AVETIA sind wir als tiermedizinischer Maximalversorger in Dresden täglich mit solchen Situationen befasst: manchmal ist der Unfall offensichtlich, manchmal wirkt das Tier nur ungewöhnlich still, obwohl die Lage ernst ist. Die folgende Übersicht zeigt, worauf Sie achten sollten und was in den ersten Minuten hilft.
Warnsignale für einen Notfall
Atmung und Kreislauf
- Angestrengte, schnelle oder rasselnde Atmung
- Blaue oder sehr blasse Zunge und Schleimhäute
- Plötzlicher Zusammenbruch oder Bewusstlosigkeit
- Extreme Schwäche, das Tier lässt sich kaum noch wecken
Verletzungen
- Starke, nicht von selbst stoppende Blutungen
- Schwere Unfallverletzungen, etwa nach einem Sturz oder Verkehrsunfall
- Offene Brüche oder eine stark abnormale Haltung eines Beins
- Bisswunden von anderen Tieren, besonders bei kleinen Hunden und Katzen
Neurologische Anzeichen
- Krampfanfälle
- Plötzliche Lähmungserscheinungen
- Unkoordinierte Bewegungen, Kopfschiefhaltung oder ständiges Kreiseln
- Starke Orientierungslosigkeit
Verdauung und Ausscheidung
- Wiederholtes, erfolgloses Erbrechen ohne dass etwas hochkommt, verbunden mit einem harten, aufgeblähten Bauch (Verdacht auf Magendrehung, besonders bei großen Hunderassen)
- Erfolgloses, schmerzhaftes Pressen beim Versuch, Urin abzusetzen (bei Katern potenziell lebensbedrohlich durch einen Harnverhalt)
- Blut im Erbrochenen, im Kot oder im Urin
Vergiftungen
- Verdacht auf die Aufnahme von Giftstoffen, verdorbenen Lebensmitteln, Medikamenten oder Fremdkörpern
- Plötzliches Zittern, starker Speichelfluss oder Erbrechen kurz nach einem Spaziergang oder Freigang
Weitere Anzeichen
- Starke Schmerzäußerungen wie Jaulen oder eine gekrümmte Körperhaltung
- Ein Hitzschlag nach Sonneneinstrahlung oder im heißen Auto, erkennbar an starkem Hecheln, Taumeln und hochroten Schleimhäuten
- Verletzungen am Auge, etwa ein hervortretender Augapfel
Erste Hilfe bis zur Ankunft in der Klinik
Am wichtigsten ist Ruhe, denn Tiere spüren Anspannung und reagieren oft mit zusätzlichem Stress. Rufen Sie die Klinik nach Möglichkeit vorab an: Das Team kann sich auf die Ankunft vorbereiten und Ihnen am Telefon schon eine erste Einschätzung zur Dringlichkeit geben. Für den Transport eignen sich eine Box, ein festes Tuch oder eine Decke als Trage. Bei Verdacht auf Verletzungen der Wirbelsäule oder des Beckens sollte das Tier möglichst wenig bewegt und flach gelagert werden. Blutungen lassen sich mit einem sauberen Tuch und leichtem Druck oft gut eindämmen, und eine Decke hilft, das Tier bei Schock oder Kreislaufproblemen warm zu halten.
Menschliche Schmerzmittel oder andere Medikamente für Menschen gehören nicht zu den Sofortmaßnahmen, viele davon sind für Hunde und Katzen giftig. Bei Verdacht auf eine Vergiftung sollte kein Erbrechen ohne tierärztliche Anweisung ausgelöst werden, da manche Stoffe beim erneuten Hochwürgen zusätzlichen Schaden anrichten können. Und selbst das sanfteste Tier kann aus Schmerz und Angst schnappen, ein Maulkorb oder ein locker um die Schnauze gelegtes Tuch schützt in dieser Situation beide Seiten.
Notfall oder reguläre Sprechstunde
Nicht jedes ungewöhnliche Verhalten ist ein akuter Notfall. Leichtes Humpeln ohne erkennbare Verletzung, gelegentliches Erbrechen bei einem sonst munteren Tier oder kleinere oberflächliche Kratzer lassen sich meist gut bis zum nächsten Sprechstundentermin beobachten. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel anrufen als zu spät reagieren. Unser Team hilft am Telefon gerne bei der Einschätzung.
Notfallversorgung bei AVETIA
Als tiermedizinischer Maximalversorger in Dresden sind wir auf genau diese Situationen eingestellt, mit CT, MRT, Röntgen, Ultraschall, eigenem Labor und einem interdisziplinären Team aus über 50 Ärzt:innen und Fachkräften.
Unser Notfallservice, nach telefonischer Anmeldung:
- Montag bis Freitag: 8:00 bis 22:00 Uhr
- Samstag, Sonntag und Feiertage: 10:00 bis 16:00 Uhr
- Telefon: 0351 81605-0
Außerhalb dieser Zeiten sind wir Teil des tierärztlichen Notfalldienstes Sachsen. Über die zentrale Notrufnummer 01805 84 37 36 werden Sie automatisch mit der nächstgelegenen diensthabenden Praxis verbunden, eine Übersicht aller diensthabenden Tierärzt:innen steht zudem unter www.vetnotdienst.de. Es lohnt sich, beide Nummern schon jetzt im Handy zu speichern, im Ernstfall zählt jede Sekunde, die nicht mit Suchen vergeht.
Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei akuten Symptomen kontaktieren Sie bitte umgehend Ihre Tierarztpraxis, die AVETIA oder den tierärztlichen Notdienst.
